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Patienten Informationen zur Nierenersatz-Therapie

Liebe Patientin,
lieber Patient,

Ihre Nierenerkrankung ist so weit fortgeschritten, dass die bei funktionstüchtigen Nieren erfolgende Reinigung Ihres Körpers von "Giftstoffen" nicht mehr ausreichend stattfindet. Der daraus folgenden, lebensbedrohlichen schleichenden Vergiftung kann nur durch dauerhafte Nierenersatz-Therapie begegnet werden.
Durch externe Blutwäsche an der Maschine (Hämodialyse) oder interne Blutwäsche im Bauchraum ( Peritonealdialyse ) können die Giftstoffe entfernt werden.

Diese Informationsschrift soll Ihnen dabei helfen, eine Wahl des für Sie am besten geeigneten Behandlungsverfahrens zu treffen.

Bitte lesen Sie deshalb die Ausführungen sorgfältig durch. Ihr Arzt wird dann Vor- und Nachteile der einzelnen Methoden mit Ihnen besprechen. Welche Methode für Sie speziell in Frage kommt, hängt von individuellen medizinischen Voraussetzungen und Ihrem sozialen Umfeld ab.  Ihre Situation werden Sie mit Ihrem Arzt erörtern und sich dann gemeinsam für das geeignete Verfahren und die passende Organisationsform der Dialyse entscheiden.

Falls Sie es wünschen, können Sie sich mit Patienten unterhalten, die Erfahrung mit dem einen oder anderen Verfahren haben.

Die Funktion der Nieren kann heute durch drei Formen der Therapie ersetzt werden:

  • Hämodialyse          ( „Künstliche Niere“ )
  • Peritonealdialyse    ( „Bauchfelldialyse“)
  • Nierentransplantation    ( „ Einpflanzung einer fremden Niere“)

Hämodialyse

Bei diesem Verfahren wird das Blut außerhalb des Körpers gereinigt.  Dafür wird es mit Hilfe einer Maschine (Dialysegerät) durch einen Filter (Dialysator) gepumpt.  Er fängt die schädlichen Stoffe aus dem Blut ab, die normalerweise mit dem Urin ausgeschieden werden.  Das Dialysegerät ist mit verschiedenen Pumpen und Überwachungseinrichtungen ausgerüstet.

Für die Hämodialyse muss das Gerät an ein Blutgefäß mit ausreichend großem Durchmesser ("Shunt") angeschlossen werden. Der Shunt wird in der Regel am Unterarm angelegt.  Durch eine kleine Operation wird eine Vene mit einer Schlagader verbunden: Die Vene füllt sich stärker mit Blut und wird dauerhaft erweitert.  Das Blut lässt sich mit Punktionskanülen entnehmen und dem Körper gereinigt wieder zuführen. Eine weitere Möglichkeit ist die Anlage eines Dialysekatheters, den es in verschiedenen Ausführungen für eine kurze Überbrückung oder eine Langzeitbehandlung gibt.

Um Ihren Körper ausreichend zu entgiften, muss die Behandlung in der Regel dreimal pro Woche (vier bis sechs Stunden pro Behandlung) vorgenommen werden. Falls medizinische und soziale Bedingungen dies erfordern, wird die Behandlung in einem Dialyse-Zentrum vorgenommen, in besonderen Fällen auch im Krankenhaus. Sofern Sie dies wünschen und nichts dagegen spricht, können Sie die Bedienung des Dialysegerätes auch selbst erlernen und in Ihrem Zentrum mit Hilfe einer Pflegekraft dann selbständig durchführen (LC-Dialyse bzw. zentralisierte Heimdialyse).

Hämodialyse ist auch zu Hause möglich ( Heim-Hämodialyse ). Voraussetzung ist allerdings, dass Sie die Maschine nach ausführlichem Training bedienen können und einen Partner oder eine Partnerin haben, der/die Sie bei der Behandlung regelmäßig unterstützt. Außerdem müssen entsprechende räumliche Voraussetzungen gegeben sein.

Sowohl bei der Heim-Hämodialyse als auch bei der zentralisierten Heimdialyse ist keine ständige Anwesenheit eines Arztes erforderlich.

Peritonealdialyse

Bei diesem Verfahren wird Ihr Blut durch einen natürlichen Filter innerhalb des eigenen Körpers gereinigt: das Bauchfell ( Peritoneum ). Es kleidet die gesamte Leibeshöhle vom Zwerchfell bis zur Leistengegend und die darin enthaltenen Organe aus.  Das Bauchfell ist sehr gut durchblutet und besitzt, ähnlich wie ein Filter, viele kleine Poren, durch die ein Stoffaustausch erfolgen kann.

Um diesen Filter zu nutzen, wird mit einer kleinen Operation ein Kunststoffkatheter in die Bauchhöhle eingesetzt.  Dieser 8 Millimeter dicke Kunststoffschlauch heilt in die Bauchwand ein und verbleibt so lange im Körper, wie das Peritonealdialyse-Verfahren vorgenommen wird.

Über den Schlauch werden jeweils 1,5 bis 2,5 Liter einer Spüllösung in die Bauchhöhle geleitet.  Nach etwa 4 bis 6 Stunden sind ausreichend Schlackenstoffe in die Flüssigkeit übergetreten.  Die Spüllösung wird dann über den Katheter abgelassen und neue Lösung wird in den Bauch eingefüllt.

Dieses Behandlungsverfahren ist leicht zu erlernen.  Ein Wechsel der Spüllösung nimmt etwa 20 - 30 Minuten in Anspruch.  Sie führen den Wechsel etwa viermal täglich durch.  Im Regelfall kann die Peritonealdialyse selbständig ohne fremde Hilfe zu Hause vorgenommen werden.

Ist aus medizinischen oder beruflichen Gründen ein Wechsel der Spüllösung tagsüber nicht möglich, kann die Peritonealdialyse auch mit Hilfe einer Maschine in der Nacht zu Hause durchgeführt werden.  Sie nimmt den Wechsel automatisch vor, während Sie schlafen.

Nierentransplantation

Die Nierentransplantation ist als Nierenersatzverfahren der Dialyse vorzuziehen, da viele Vorteile damit verbunden sind (Lebensqualität mit Verbesserung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit, Normalisireung der sozialen Beziehungen).

Das Organ kann entweder von einem verstorbenen Spender oder unter bestimmten Bedingungen auch als sog. Lebendspende transplantiert werden. Eine Nierentransplantation kann nur erfolgen, wenn - abgesehen von der Nierenerkrankung - eine ausreichend gut körperliche Verfassung nachgewiesen wurde und man nicht an einer anderen schwerwiegenden Erkrankung leidet. Damit sollen Komplikationen gemieden werden.

Die neue Niere ersetzt die Funktion der eignenen Nieren nahezu vollständig.  Man kann fast wieder ein normales Leben führen. Allerdings müssen nach einer Transplantation lebenslang Medikamente, sog. lmmunsuppressiva eingenommen werden.  Die verhindern, dass das körperfremde Organ vom lmmunsystem abgestoßen wird, was in den allermeisten Fällen sehr gut gelingt. Die transplantierte Niere funktioniert nach 1 Jahr in 90% der Fälle, nach 5 Jahren sind es immer noch fast 75%. Wir betreuen etliche Patienten in unserer Praxis, die nach sehr viel mehr Jahren sich einer sehr guten Organfuktion erfreuen.

Derzeit besteht in Deutschland ein großer Mangel an Spenderorganen.  Deshalb müssen man unter Umständen mit einer Wartezeit von mehreren Jahren rechnen. Die Zuteilung eines Organs erfolgt nach streng festgelegte Vergabekriterien. Dabei spielt natürlich die Gewebeverträglichkeit die dominierende Rolle. Weitere Kriterien sind u.a. das Herkunftland des Spenders und des Empäners. Zur Überbrückung der Wartezeit sind dann eines der beschriebenen Dialyseverfahren zwingend erforderlich. 

Eine Alternative stellt möglicherweise die Lebendspende dar. Dabei spendet ein naher Verwandter oder der Lebenspartner oder jemand mit einer herausragenden Beziehung zum Nierenkranken eine Niere. Mit der verbliebenen Niere ist ein normales Leben möglich. Voraussetzungen sind jedoch die absolute Freiwilligkeit der Spende sowie der gute Gesundheitszustand des Spenders.

Diese lnformationsschrift ersetzt nicht das notwendige Aufklärungsgespräch mit dem behandelnden Arzt" sondern soll dieses vorbereiten.

Unter der gebührenfreien Nummer 0800-90 40 400 kann man in der Zeit von Mo-Fr. 9-18 Uhr über das Infotelefon Organspende weitere Informationen erhalten. Hier kann auch Infomaterial kostenlos bestellt werden. Weitere Informationen auch unter http://www.organspende-info.de

Mit Fragen zu Nierenerkrankungen können sich Interessierte und Betroffene an die ebenfalls gebührenfreie und bundesweite Nummmer 0800-248 48 48 wenden. Dort steht Ihnen ein Nephrologe zur Verfügung.